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Sonntag, 28. Dezember 2014, 12:23

Rasse des Monats Oktober 2008 "Das Kalifornier-Kaninchen"

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 Geschichtliches/Entstehung der Rasse:

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden die Kalifornierkaninchen. Zur Herauszüchtung wurden Weiße Neuseeländer, Russen und Chinchillakaninchen verwendet. Im amerikanischen Standard ist diese Rasse seit 1939 vertreten. Nach Europa wurden die ersten Tiere nach dem 2. Weltkrieg eingeführt. Die Zucht begann erst Mitte der 60er Jahre. Leider fand die Rasse in Deutschland keine große Verbreitung. Die Zahl der Züchter ist aber trotzdem stabil und bei den Bundesschauen sind Kalifornier regelmäßig vertreten, meist nur im schwarz-weißen Farbenschlag. Zugelassen sind aber auch die Farbschläge blau-weiß und havanna-weiß.

 

Zuchtziel:

 

Gefordert wird ein gedrungenes Kaninchen mit deutlich sichtbaren Fleischansatz – ein Masttyp also. Trotzdem wirken die Kalifornier, auf Grund ihrer Zeichnung, nicht so blockig und mastig wie die Weißen Neuseeländer. Das Normalgewicht beträgt 4 kg und sollte im Alter von 6 bis 7 Monaten erreicht werden. Das Höchstgewicht liegt bei 5 kg.

 

Allgemeines

 

Kalifornier zeichnen sich durch eine hohe Fruchtbarkeit und Frohwüchsigkeit aus. In den über 20 Jahren, die ich mich schon mit dieser Rasse beschäftige, sind die Wurfstärken im Regelfall 7 – 9, aber auch 10er Würfe gab es schon. Die Jungtiere sind reinweiß, wenn sie das erste Mal das Nest verlassen. Die markante „Russenzeichnung“ erscheint im Alter von 6 Wochen zunächst an der Maske, den Läufen und der Blume. Die Ohrenzeichnung ist erst nach der 1.Haarung zu erkennen und im Alter von ca. 7 Monaten zeigt der Kalifornier sein  „Hochzeitskleid“. In diesem Alter sollten die Tiere dann auch ausgestellt werden. Da auf Grund verschiedener Umstände (Witterung, Futterwechsel, Stress usw.) die Zeichnung, insbesondere an den Ohren und Maske, verblasst und fleckig wird (siehe auch das beigefügte Foto)

 

Genetik und Vererbung

 

Die Kalifornier sind ein Teilalbino. In der Albinoserie (A-Reihe) finden wir diese Rasse, genau wie unsere Russenkaninchen, als letzte Vorstufe vor den reinen Albinos, d.h. die Farbeinlagerungen sind auf die Körperendteile (Blume, Maske, Läufe und Ohren) beschränkt. Die Vererbungsformel ist dieselbe wie beim Russenkaninchen. Das Kalifornierkaninchen ist reinerbig im Gegensatz zu den Marder- und Scheckenkaninchen.

 

Körperbau und Fell

 

Gewünscht wird ein Kaninchen mit gedrungen Körper und deutlich sichtbarem Fleichansatz. Der Kopf und die Ohren sollten zum Körper passend sein – am schönsten sind die Kalifornier mit einer Ohrlänge von 12 bis 12,5 cm. Je länger die Ohren sind, desto gestreckter werden die Kaninchen. Eine Häsin von mir hatte mal ein 15er Ohr und wog fast 6 kg, war aber deutlich zu lang und ziemlich eckig. Bei einem 12,5 er Ohr sollte das Gewicht bei etwa 4,3 – 4,5 kg liegen. Die Vorder- und Hinterpartie sollten gleich breit sein. Der Rücken geht ansatzlos in den gut gerundeten Hinterkörper über. Die Läufe sind kräftig und breit gestellt. Selbstverständlich sind die Rammler wammenfrei und bei Althäsinnen ist eine kleine, gut geformte Wamme zugelassen.

 

Das Fell ist mittellang, mit reichlich Unterwolle versehen und gut begrannt - insgesamt aber nicht so weich wie beim Weißen Neuseeländer.

 

Zeichnung und Besonderheiten

 

Die Grundfarbe ist reinweiß ohne Anflug von gelb bzw. elfenbein (Satin-Kalifornier). Die Augen sind rot und die Krallen sollten dunkelhornfarbig sein. Die Zeichnungsfarbe im schwarz-weißen Farbschlag ist vergleichbar mit der Farbe von schwarzem Kaffee, beim blauen-weißen Farbschlag wie das Wienerblau (beiliegendes Foto) und beim havanna-weißen Farbschlag eher rotbraun (beiliegendes Foto).

 

Es handelt sich bei der Zeichnung und eine sog. Russenzeichnung, d.h. die Blume, die Läufe, die Ohren und die Maske sind in Zeichnungsfarbe gefärbt. Die Ohransätze sollten dabei klar erkennbar sein und die Maske gut abgerundet mit länglich runder Form. Der Unterkiefer kann dabei durchaus von der Maske erfasst werden. Die Vorderläufe sind farbig bis übers Ellenbogengelenk, die Hinterläufe sind es bis übers Sprunggelenk. Fehler treten bei der Zeichnung im Regelfall bei nicht deutlich abgegrenzten Ohren und unscharfer bzw. zackiger Maske auf. Seltener finden wir Binden an den Vorderläufen. Die Zeichnung der Hinterläufe ist meist nur angedeutet, so dass es scheint, als ob die Tiere schwarze Gamaschen anhaben. Insbesondere gilt festzuhalten, dass die Tiere im Sommer nicht so intensiv gezeichnet (Maske, Hinterläufe und Ohren) sind wie im Winter.

 

Zu den Besonderheiten dieser Rasse gehört die sog. „Kälteschwärzung“. Was ist darunter zu verstehen und wie zeigt sich diese Phänomen dann bei den Tieren. Kälteschwärzung ist im Grunde genommen nichts anderes, als eine Reaktion des Körpers auf einen äußeren Temperaturreiz, z.B. Jungtiere die am Nestrand liegen oder beim Säugen aus dem Nest gezogen wurden usw.. Erkennen kann man dies z.B. bei Jungtieren, die wie einen Grauschleier auf dem Fell haben. Es handelt sich dabei um eine Schwärzung im oberen Drittel der Fellhaare, aller Fellhaare übrigens und nicht nur der Grannen wie etwa bei den Schwarzgrannen, wenn gleich die kältegeschwärzten Tiere in etwa so aussehen. Nach der 1. Haarung verschwindet dieser Grauschleier im Alter von 10 Wochen von selbst. Das diese Tiere später dann intensiver gezeichnet sind als ihre Wurfgeschwister kann ich nicht bestätigen. Bei Alttieren tritt diese Erscheinung als Augenanflug, Kehl- und Afterfleck insbesondere in längeren Kälteperioden bei Außenstallhaltung auf und wird als leichter Fehler geahndet.

Worauf ist bei der Bewertung zu achten ?

 

Wir Züchter wünschen uns, dass von den Preisrichter hinsichtlich der Farbe und Zeichnung klarer getrennt wird. Denn zumeist ist es so, dass bei einem Tier mit verschwommenem Ohransatz oder zackiger Maske bei der Bewertung sowohl die Position Zeichnung als auch die Farbe gestraft wird. Dies ist aus meiner Sicht aber nicht in Ordnung, da ein Fehler somit doppelt bestraft wird. Aus meiner Sicht ist nur eine „Bestrafung“ in der Position Zeichnung richtig, aber ich bin eben kein Preisrichter.

 

Insbesondere gibt es Schwierigkeiten den blau-weißen Farbschlag in den Positionen Farbe und Zeichnung zu bewerten. Dies liegt daran, dass sich gerade bei den Hinterläufen oftmals nicht genau erkennen lässt wie weit die Zeichnung geht.

 

Wie bereits beschrieben, kommt es durch verschiedene Umwelteinflüsse, z.B. Wetterwechsel, mitunter zu einer gewissen Fleckigkeit. Hierbei sollten die Preisrichter mit etwas Fingergefühl richten, um die Tiere nicht zu stark zu strafen (dies soll aber kein Freibrief für uns Züchter sein).

 

Auf kleineren Ausstellungen sind Kalifornier meist nicht zu sehen, weil sie zumeist von dem Preisrichter mitbewertet werden, der auch die Wiener- und Neuseeländerkaninchen bewertet und somit bei der Preisvergabe meist leer ausgehen. 

 

Welche Zuchtziele sollten weiter verfolgt werden ?

 

Zunächst möchte ich feststellen, dass die Fruchtbarkeit und Frohwüchsigkeit in jedem Fall zu erhalten ist. Für die Zukunft heißt es aber großen Wert auf Farbstabilität zu legen, d.h. die Tiere sollten unempfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen werden und nicht so schnell bei Witterungswechsel fleckig werden. Auch gilt es die Felle weiter zu verbessern. Ich kann mich erinnern, dass die Felle in den 80er und 90 er Jahren z.T. besser waren als heute. Die Entscheidung bei Punktgleichheit zunächst die Position 2 (Körperbau und Form), dann die Position 3 (Fell) und die Rassemerkmale Positionen 4 – 6 erst zum Schluss verglichen werden, ist meines Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung zur Verbesserung der Felle.

 

Vielen Dank an Zuchtfreund Gunter Anders, der mir die Fotos von seinen Tieren zur Verfügung gestellt hat.

 

Erbbiologische  Betrachtung

                       

Das Kalifornierkaninchen und auch das Russenkaninchen verdanken ihr Aussehen der Mutationsstufe an . Vor dem Klein a dem Albinofaktor ist der Russenfaktor die letzte Stufe der Teilalbinos.

Die farblosen, rot durchscheinenden Augen und die weiße Grundfarbe zeigen schon, dass es sich um ein Teilalbino handelt.

Durch den Umweltfaktor Kälte wird dafür gesorgt, dass die kurz behaarten Köperteile und kälteempfindlicheren Regionen des Kaninchens sich farbig entwickeln.

Die Kalifornier, schwarz haben die Erdformel    anBCDg / anBCDg

Kalifornier, blau haben folgende Erbformel anBCdg / anBCdg, durch d wird die Verdünnung der schwarzen Farbeinlagerung hervorgerufen.

Die Kalifornier, havannafarbig haben die Erbformel anBcDg / anBcDg , durch c wird das satte Schwarz (das Eumelanin) reduziert zu Braun.

Zusammengestellt von Kai Sander

                        Quelle: Kaninchenvererbung; Heidrun Eknigk, Oertel + Spörer, Reutlingen.

 

Preisrichterliche Betrachtung

Die Kalifornier sind eine mittelgroße Rasse, die in den Farben schwarz, havannafarbig und blau zugelassen sind. Leider haben die havannafarbigen und die blauen kaum eine nennenswerte Verbreitung, auf der letzten Bundesschau in Bremen waren z.B. nur schwarze ausgestellt.

 

In den Bewertungspositionen 1- Gewicht, 2- Körperform, Typ und Bau sowie in der Pos 3- Fellhaar gibt es bei den Kaliforniern  eigentlich die gleichen Merkmale, die zu Punktabzügen führen wie bei den anderen mittelgroßen Rassen.

 

In der Pos. 4- Kopf und Ohren gibt es naturgemäß dann leichte Abzüge bei der Bewertung, wenn die Zuchtlinien nicht richtig gefestigt sind. Das ist bedingt durch die geringe Verbreitung bei den Farben havanna und blau eher zu sehen wie bei den schwarzen.

 

Die Größte Problematik der Rasse ist, wie der Verfasser bereits geschrieben hat, die Kombination Zeichnung/ Farbe. Dort ist es, ähnlich wie bei den Russenkaninchen, so, das die selteneren Farbenschläge teilweise sehr schwache Abzeichen am Rumpf aufweisen, die auch nicht klar abgegrenzt sind. Ebenso ist oft die Farbe nicht so klar am Rumpf, so dass sie nur meliert erscheint.

Damit beginnt die Zwickmühle bei der Bewertung. Ein Tier mit nicht gut ausgeprägten Abzeichen an den Vorder- oder Hinterläufen sowie an der Blume wird lt. Standard mit Punktabzug gestraft. Wenn das Tier dann auch noch eine durchsetzte oder etwas unreine Zeichnungsfarbe aufweist, hat der PR keine andere Möglichkeit. Er muss dann in solchen Fällen in den Pos. 5+ 6 mit leichten Punktabzügen bewerten.

Bei den Kaliforniern treten diese Probleme der Zeichnung/ Farbe in der Kopfzeichnung wesentlich seltener auf. Die Ohren sind in der Regel gut abgegrenzt, die Maske ist in gefestigten Zuchten auch gut geformt.

 

Bedingt durch die Kombination aus Zeichnung und Farbe bereichern die Kalifornier ebenso wie die Russenkaninchen jede Schau. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl bei der Bewertung und der Akzeptanz der Züchter für die Bewertung vor allem in der Positionkombination 5/ 6 wird die Rasse immer ihre Liebhaber finden. Zurzeit scheint es jedoch so zu sein, das die Satin Kalifornier bedingt durch die Fellhaarstruktur eher an Liebhabern gewinnt.

 

 

Wir bedanken uns bei Jens Kramer für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Heiko Semmel, Michael Meise und Kai Sander  für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei [url]www.rkz-forum.com[/url]. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

 

(C) 2008 Rassekaninchenzuchtforum e.V.

 

 

Herrmann Donnerstag, 30. Oktober 2008, 15:22

Kalifornierkaninchen

Hallo Leute,

auf der 11. offene Kalifornier-, Marder-, Siamesen-, und Russen-Club-Vergleichsschau am 11.+12.10.08 in Pouch waren alle drei Farbenschläge zu sehen.
Leider konnte ich nicht dort hin reisen, da ich zu der Zeit auf der
Landesclubschau Sachsen-Anhalt in Quedlinburg weilte.

Den
Ausstellungskatalogder o.g. Club-Vergleichsschau habe ich verlinkt.

Ich finde den Katalog sehr wichtig, da dort einige Züchter dieser seltenen Rassen zu finden sind.

Viele Grüße Hermann

 


jenser166

Fortgeschrittener

  • »jenser166« ist männlich

Beiträge: 459

Realname: Jens Kramer

Wohnort: Wurzen

Beruf: Versicherungsfachwirt

Hobbys: Fußball (1.FC Lok Leipzig ... blau und gelb ein Leben lang)

Verein: S 20 Bennewitz und Marder-,Siamesen- und Kalifornier-Club Thüringen

gezüchtete Kaninchenrassen: Großmarder braun und Großmarder blau

Ämter in unserer Organisation: Schriftführer im Kreisverband /Zuchtbuch- und Schriftführer im Verein S 20 und im Marder-,Siamesen- und Kalifornier-Club Thüringen / Hilfspreisrichter in PR-Gruppe Leipzig

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Freitag, 2. Januar 2015, 11:33

Sehr schön, dass mein "alter" Rassebericht wieder aufgetaucht ist. Ich habe es doch immer gewußt, dass hier nichts verschwindet.

Gut Zucht in 2015 wünscht

Jens

P.S.: Sollte jemand Kontaktdaten von Züchtern brauchen .... gern per KN.

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