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Dienstag, 5. Januar 2016, 15:40

Wie entsteht eine Neuzucht? Erklärt am Beispiel der ZwwA

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Wie entsteht eine Neuzucht in der Rassekaninchenzucht?
Wie entsteht eine Neuzucht in der Rassekaninchenzucht?
Schaut man durch das WWW oder in einigen Zoogeschäften, so sieht man eine Vielzahl von Bezeichnungen für Kaninchen. Für den Laien ist es manchmal schwer verständlich, dass der eine oder andere „feststehende Begriff“ gar keine „richtige“ Kaninchenrasse im Sinne der organisierten Rassekaninchenzucht ist.
Insgesamt gibt es im Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter zurzeit fast 100 verschiedene Kaninchenrassen, die in insgesamt ca. 400 verschiedenen Farbvarianten gezüchtet werden. Dabei sind weit verbreitete Rassen und auch sehr seltene Rassen. Manche Rassen sind so selten, dass sie zu den vom Aussterben bedrohten alten Haustierrassen gehören. Von Seiten des Tierschutzes besteht ein großes Interesse, dass die bestehenden Rassen eine solch große Verbreitung haben das ein entsprechend großes Genpool Inzuchtdepressionen vorbeugt.
Obwohl es eben schon einige Rassen gibt, die wegen ihrer Seltenheit ein besonderes Augenmaß verdienen, besteht auf der anderen Seite ein großes Interesse weitere Rassen und Farbenschläge zu erzüchten. Einen Mittelweg zu finden zwischen dem Argument „wir haben schon viel zu viele Rassen“ und „warum ist die Rasse…. nicht zugelassen?“, ist ein schwerer Spagat.
Hinter diesem Hintergrund ist zu sehen, dass der ZDRK die Neuzucht von Rassen und Farbenschlägen recht strickten Bestimmungen unterworfen hat! An den Züchter einer Rasse wird die Anforderung gestellt, dass er zumindest 5 Jahre in der Altzüchterabteilung eines Kaninchenzuchtvereins regelmäßig mit Erfolg Rassekaninchen gezüchtet und ausgestellt hat. Wenn nun jemand eine Neuzucht beginnen möchte, muss er eine entsprechende Bescheinigung seines Vereins vorlegen. Zusammen mit der „Musterbeschreibung“ wie die Rasse/ der Farbenschlag aussehen soll und die Anforderungen sein sollten werden die Unterlagen über den Kreisverband an den Landesverband eingereicht.
Die dortige Landesstandardkommission leitet bei Zustimmung den Antrag an die Standardkommission des ZDRK weiter. Bei der Neuzucht eines Farbenschlages einer bestehenden Rasse müssen mindestens 5 Züchter aus 3 verschiedenen Landesverbänden den Antrag stellen, damit die Neuzucht zugelassen werden kann. Bei der Neuzucht einer komplett neuen Rasse sind sogar Anträge von 10 Züchtern aus 5 Landesverbänden von Nöten.

Wenn diese Anforderungen erfüllt sind, wird sich die ZDRK Standardkommission mit den Anträgen beschäftigen. Wenn es keine Bedenken gibt (z.B. Tierschutzgründe) kann die Rasse in das Neuzuchtverfahren starten. Als Elterntiere für eine Neuzucht können alle möglichen Kaninchen eingesetzt werden, diese brauchen auch nicht die üblichen Kennzeichnungsbestimmungen des ZDRK erfüllen. Die Nachkommen der Ausgangstiere werden dann mit einem „N“ vor dem Vereinskennzeichen tätowiert und diese als Tiere eines Neuzuchtverfahrens zu markieren. In den kommenden Jahren werden die Neuzuchten auf Landes- und Bundesschauen ausgestellt und bewertet.

Das Neuzuchtverfahren wird erst dann abgeschlossen, wenn die ausgestellten Tiere die Anforderungen der „Musterbeschreibung“ auf den Schauen erfüllt haben und die entsprechende Verbreitung der Rasse erreicht wurde. Für einen neuen Farbenschlag, muss es dann mindestens 10 Züchter in 5 LV geben, die mindestens 200 Tiere gezüchtet haben. Für die Anerkennung einer neuen Rasse sind sogar 20 Züchter in 10 Landesverbänden nötig. Diese müssen über 200 Zuchttiere und 500 Nachzuchttiere verfügen.
Wie man sieht, sind die „Trauben“ für die Neuzucht einer Kaninchenrasse sehr hoch gehangen. Aus diesem Grund habe ich auch überlegt, ob ich mich zu diesem Schritt entschließe. Mehr aus Spaß habe ich immer gesagt, falls ich irgendwann einmal eine Neuzucht betreiben würde, wären dies langhaarige Widderkaninchen. Als im Jahr 2012 die Europaschau in Leipzig stattfand, war ich einer der Besucher und Aussteller auf dieser Großschau. Im Rahmen eines Gespräches mit Zuchtfreunden erzählt man mir, dass dort auch Zwergwidder-Angora ausgestellt werden. Aus Neugier schauten sich mein Sohn und ich diese Tiere an, es war Liebe auf den ersten Blick.

Schnell fasste ich den Entschluss Tiere dieser Rasse zu erwerben. Leider stellte sich heraus, dass nur noch ein Rammler dieser Rasse noch nicht verkauft war. Natürlich kaufte ich diesen Rammler, aber mit einem Rammler allein kann man nun einmal keine Zucht beginnen. So befasste ich mich in der nächsten Zeit mit der Genetik der Langhaarkaninchen. Schnell stellte sich heraus, dass die Langhaarigkeit rezessiv vererbt wird. So kaufte ich mir als nächstes eine Häsin der Rasse Zwergwidder und verpaarte diese mit dem Rammler. In der ersten Generation (F1) erwartete ich nur normalhaarige Jungtiere.

Erst in der kommenden Generation(F2) wurden die ersten langhaarigen Tiere erwartet. Ich war anschließend sehr erstaunt, als schon in der ersten Generation langhaarige Tiere entstanden. Dies führte zu kontroversen Diskussionen mit Genetikfachleuten, wie dies nun entstehen konnte. Das Ergebnis konnte dann später gelöst werden. Nachdem die Jungtiere über 8 Wochen alt waren, verloren sie einen Großteil der lagen Haare, nur eine Löwenmähne und Flankenbehaarung blieb über! Hieraus konnte nun geschlossen werden, dass mein Rammler neben dem rezessiven Angoragen auch noch Träger des dominanten Löwengens war. In der kommenden Generation (F2) freute ich mich dann über die ersten „richtigen“ Zwergwidder-Angora. Das teilweise noch vorhandene Löwengen, wirkt sich dadurch aus, dass Träger des Gens einen voll behaarten Kopf haben. Tiere ohne Löwengen haben ein „freies“, als kurz behaartes Gesicht.
 

Nun war es an der Zeit weitere Mitstreiter für die Zucht dieser Rasse zu finden. Durch Berichte in verschiedenen Internetportalen, Webseiten und einer Fachzeitung fand ich weitere Züchter, die von der Rasse begeistert waren. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir mehr als 10 Neuzuchtanträge aus genügend Landesverbänden zusammen.

Wir erstellten eine „Musterbeschreibung“ und eine Begründung, warum die ZDRK Standardkommission diese Rasse zulassen sollte und hatten Erfolg! Nun dürfen wir seit dem Januar 2014 die Rasse als Neuzucht kennzeichnen und ausstellen. In der Zwischenzeit konnten wir Züchter im Ausland finden, die uns mit weiteren Zuchttieren unterstützen konnten.

So haben wir innerhalb kürzester Zeit schon einen recht ansehnlichen Genpool geschaffen, auf den wir nun weiter aufbauen können. Leider sind die Anforderungen an die Zwergwidder-Angora, weiß Blauauge im Ausland sehr unterschiedlich. Wir Züchter in Deutschland haben uns an die Anforderungen an Körperform, Gewicht, Größe, Kopf und Behang (Ohren) an den Zwergwiddern und in dem Fell an den deutschen Angorakaninchen orientiert. In den Niederlanden darf diese Rasse größer sein und wie auch in Belgien werden sie mit „vollen Köpfen“ gezüchtet.

Nun ist es unsere Aufgabe zu selektieren. Aber wir sind schon sehr weit gekommen. Es gibt schon einige Tiere die ihr Idealgewicht unter 2kg erreichen und „freie Köpfe“ haben. Auch schöne gerundete Körperformen und tolle Wolldichten sind bereits jetzt bei vielen Tieren zu finden.
 
Nun heißt es diese guten Merkmale zu festigen und zu verbreiten. Wir hoffen in den kommenden Jahren noch mehr Mitstreiter zu finden und die Preisrichter auf den Schauen von der Qualität der Rasse zu überzeugen. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis wir diese Rasse aus dem Neuzuchtverfahren heraus führen können. Wenn diese Rasse dann einmal „zugelassen“ wird, darf sie dann jedes Mitglied im ZDRK züchten.
 

 

Falls diese Zeilen jemanden begeistern sollte, sich weiter über diese Rasse zu informieren, weise ich auf [url]www.zwergwidder-angora.de[/url] hin! Hier findet man Kontaktadressen, die Musterbeschreibung und auch eine ausführliche Erklärung über den erhöhten Pflegeaufwand von Langhaarkaninchen. Auf diese Besonderheit werde ich auch in der nächsten Ausgabe dieser Zeitung eingeben.

 

Wir bedanken uns bei Kai Sander für diesen Bericht und die Fotos. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei [url]www.rkz-forum.de[/url]. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Bericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

 

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