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Dienstag, 29. März 2016, 15:53

Das Schlachten von Tieren - "Anno Dazumal"

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Berichte von "Anno dazumal"
Das Schlachten von Tieren

Hallo liebe User, man uns hat einmal wieder einen interessanten Bericht aus verganenen Tagen zur Verfügung gestellt. 
Oft denkt man dass Tierschutz und Rücksicht auf die Tiere eine Errungenschaft unserer Zeit ist und
in der Vergangenheit darauf kaum Rücksicht genommen wurde, in den folegnden Zeilen sieht man dass wir da wohl falsch liegen,
wie man in diesem Auszug lesen kann der schon vor weit mehr als 100 Jahren gedruckt wurde.

Für User die diese Schreibweise nicht lesen können hier der Inhalt noch einmal in heute verwendeter Schriftform:

197. Über das Schlachten der Tiere.
1.
Liebe Tochter!

In Deiner jetzigen Stellung als Köchin wirst Du oft Tiere
schlachten müssen. Ich weiß nun aus Erfahrung, wie unbarmherzig
es recht oft in der Küche beim Schlachten hergeht. Das ist aber eines
Menschen durchaus unwürdig; denn das Tier fühlt ja so gut wie
ein Mensch.
Wer ein Tier schlachten will, muß zuallererst ein scharfes Messer
haben. Tauben, Hühner, Enten und Gänse werden am schmerzlosesten
getötet, wenn man den Kopf auf einen Holzblock legt und ihn mit
einem scharfen Messer oder Beil abhackt. Das Töten der Gänse durch
einen Genickstich bereitet ihnen große Qual. Wer sie aber durchaus
auf diese Weise töten will, sollte die Tiere wenigstens durch einen
starken Schlag mit einem Hammer oder einem andern Instrument auf
den Hinterkopf zuvor betäuben.
Fische, gleichviel ob groß oder klein, werden zuerst durch einen
kräftigen Schlag auf das Gehirn betäubt. Dann trennt man mit einem
scharfen Schnitte den Kopf vom Rumpfe, was den Fisch sofort tötet.
Nun erst darf der Fisch geschuppt und ausgeweidet werden. Die Fische
lebend zu schuppen, ist höchst grausam, da sie gerade in den Schuppen
ein sehr feines Gefühl haben. Auch der Aal wird in der hier ange-
gebenen Weise leicht getötet. Man fasst ihn mit einem trockenen Tuch
und gibt ihm einen Schlag auf das Gehirn. Dann ist er betäubt
und lässt sein Sträuben und Winden. In mancher Küche wird der
Aal lebendig an ein Brett genagelt und dann abgezogen. Sollte man
solche Grausamkeit wohl für möglich halten?
Krebse und Hummer sterben sofort, wenn man sie in kochendes
Wasser wirft. Höchst unmenschlich aber ist es, sie im kalten Wasser
aufs Feuer zu setzen und dann langsam zu Tode zu martern.
Ich bitte Dich inständigst, gegen die Dir übergebenen Schlachttiere
so barmherzig wie möglich zu sein. Wer nicht Barmherzigkeit gegen
die Geschöpfe Gottes übt, ist selbst keines Mitleids wert.
In herzlicher Liebe
Deine  treue Mutter.

Quellenangabe:

Lesebuch für ländliche Fortbildungsschulen
Von Gehrig, Dr. Helmkampf und Krausbauer

Ausgabe A für die Provinz Hannover

Erster Teil Zweite Auflage

Leipzig Verlag von Theodor Hofmann 1901

Wir danken Karl Schwab recht herzlich, der uns dies zur Verfügung gestellt hat.

 

 

Euer RKZ-Team

 

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »RKZ-Team« (29. März 2016, 16:01)


leotrulla

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Mittwoch, 30. März 2016, 10:13

Sehr schön, wenn auch heute etwas befremdlich anmutend, wo sich die Fleischesser doch denkbar weit vom Schlachttier entfernt haben. Nichtsdestoweniger ist der "behutsame" Umgang mit dem Mitgeschöpf "Fleischlieferant" offensichtlich etwas Zeitloses. Die Lebensreiferen erinnern sich möglicherweise noch an den Silvesterkarpfen in der Badewanne oder die Schlachttauben im Korb und das Gemecker der Altvorderen, wenn die kindliche Neugierde überhand nahm? Ist vor nicht mal vierzig Jahren noch völlig normal gewesen und heute nahezu undenkbar.

Wie auch immer, bei mir sind heute vier Junghähne fällig und die Stationen "Brühen" und "Rupfen" werden freiwillig vom Nachwuchs übernommen,- bin mal gespannt!

Gruß

Thomas
Wer jammert, hat noch Reserven....(K.Duve)

Jan1604

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Mittwoch, 30. März 2016, 12:08

Wirklich schön geschrieben und das schon zu dieser (harten) Zeit! Auch wenn ich nicht zu den Lebensreiferen gehöre und schon meine Probleme hatte den originaltext zu lesen (bis ich dann zum Schluss gemerkt habe das eine "übersetzung" gleich darunter ist :D ).
Gerade den Satz möchte ich jeden mit auf den Weg geben:

Zitat

Ich bitte Dich inständigst, gegen die Dir übergebenen Schlachttiere
so
barmherzig wie möglich zu sein.

PeterW

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Freitag, 1. April 2016, 11:11

Hallo Karl,

ich habe vor wenigen Wochen eine junge Frau getroffen, die den Beruf der "Dorfhelferin" erlernt.

Zum Inhalt der Ausbildung gehört immer noch das Schlachten( vorwiegend von Geflügel) und wie von Dir so wunderbar zitiert der ethische Umgang mit den Tieren.

Schön, dass es so was noch gibt. :)

Schönes WE

wünscht Peter

Achleitner

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Über mich: Ich kreuze verschiedene Rassen mit dem Ziel einer frohwüchsigen und fleischigen Schlachtkaninchen-Kreuzung!

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gezüchtete Kaninchenrassen: Deutscher Widder, Riesenschecken, Blaue Wiener, Rote Neuseeländer, Helle Großsilber

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5

Freitag, 1. April 2016, 11:28

Ich kann hier eine "Normalisierung" bzw. eine Rückkehr zu alten Zeiten erkennen.

Beispiel: Vor drei Wochen war eine Familie mit Kindern bei mir und hat sich zwei Kaninchen ausgesucht.
Da sagte der Vater zum Sohn (9 Jahre): "Du musst dich dann gut um sie kümmern sie gut füttern."
Der Sohn antwortete: "Ja und du schlachtest sie dann zu Weihnachten" und zur Mutter sagte er: "und du machst dann Hasenschnitzerl" :)

Ich fand das wirklich lobenswert obwohl es nur das normalste der Welt ist. Habe sie dann noch darauf hingewiesen, dass sie besser um Juni schlachten und dann nochmal welche holen. :P
http://achleitnerkaninchen.jimdo.com/

"Ja, mein Userbild ist ein Kaninchen im Grünen... aber ich bin der Freundliche."